Alle Jahre wieder
Mehr als bloß Fangesänge: Beim Weihnachtssingen des Fußballvereins 1. FC Union Berlin stimmen sich traditionell Teile der Mannschaft und Fans gemeinsam auf die besinnliche Zeit ein
Alle Jahre wieder treffen sie sich zum besinnlichen Weihnachtssingen in der „Alten Försterei“, die treuen Fans des 1. FC Union Berlin. Was vor 8 Jahren auf Initiative des Fanklubs „Alt-Unioner“ begann, ist mittlerweile zur beliebten Tradition des Vereins geworden. Damals noch trafen sich einige Fans nach einer weniger geglückten Fußballsaison, um sich trotz allem oder aber gerade deswegen eine Frohe Weihnachtszeit zu wünschen. Anstatt Fangesängen erfüllten erstmals die Klänge von Weihnachtsliedern das Stadion an der Alten Försterei in Berlin Köpenick. Waren es 2003 noch 89 „eiserne“ Union-Fans gewesen, die sich so einen Tag vor dem Heiligen Abend auf das Fest einstimmten, kamen dieses Jahr am 23. Dezember mehr als 10.000 Menschen zum Weihnachtssingen bei Union. Schon der Weg durch die verschneite Wuhlheide hin zur Alten Försterei bot eine wunderbar winterliche Kulisse. Begleitet von Turmbläsern lag von Anfang an allüberall eine festliche Stimmung in der Luft. Auch die weißen Kerzen und Gesangsbücher, die an alle Besucher vergeben wurden, sorgten für eine weihnachtliche Atmosphäre. Und so füllte sich das Stadion mit vielen fröhlich gestimmten Weihnachtssängern, großen und kleinen, jungen und alten. Hier kommen jedes Jahr nicht mehr nur die ganz „eisernen Fans“ zusammen, sondern auch Freunde und Bekannte, um sich als große Familie bei Glühwein, Kerzenschein und Gesang in eine besinnliche Weihnachtszeit und ein frohes neues Jahr zu verabschieden.
Erstmalig trat dieses Jahr der Männerchor Eintracht 1892 e.V. von Berlin Mahlsdorf, unter der Leitung von Marcus Crome, im Vorprogramm auf. Es war den Männern eine große Freude einen Teil ihres Weihnachtsprogramms hier präsentieren zu dürfen. Derart eingestimmt wurden dann, mit der traditionellen Unterstützung des Mädchenchors des Emmy Noether Gymnasiums Treptow-Köpenick, gemeinsam Weihnachtslieder gesungen. Angefeuert von Stadionsprecher Christian Arbeit, ließ der riesige Chor aus Mannschaft, Fans und Freunden das Stadion 90 Minuten lang einmal ganz anders als sonst ertönen. Geschult durch Fangesänge, können sich die lautstarken Stimmen der Unioner auch mit weihnachtlichem Repertoire durchaus hören lassen. Aus voller Kehle schallten die Lieder durch die winterliche Wuhlheide als Vorbote für die Festtage.
Das Unioner Weihnachtssingen war auch 2010 wieder ein wunderbarer Abend und ein ganz besonderes Erlebnis. Wer nicht dabei war, sollte es bei Gelegenheit einmal mit erleben. Vielleicht am 23. Dezember 2011.
Petra Groth
22. Zimriya-Chorfestival in Jerusalem (16.-24.August 2010)
Die Übersetzung des Stadtnamens „Jerusalem“ (Jerushalayim = Stadt des Friedens) ist eindeutig, doch was bedeutet „Zimriya“? Nicht untypisch für das Hebräische, sind in diesem Wort mehrere sinntragende Silben gleichsam in komprimierter Gestalt zusammengefasst: Der Wortstamm „Nachtigall“ verlieh dem Festival die Idee für Wappen und Logo, in der letzten Silbe schwingt der Gottesname JAHWE als Inbegriff des Vollkommenen mit, zusammengelesen könnte man Zimriya auch als „Das große gemeinsame Singen“ übersetzen – der Name für ein großes, alle drei Jahre veranstaltetes Chorfestival in Jerusalem, zu dessen 22. Auflage in diesem Jahr etwa 900 Sänger pilgerten. Neben 18 Chören aus Israel und 16 Chören aus dem Ausland waren Einzelteilnehmer u. a. aus Deutschland, Frankreich, Israel und den USA angereist, um in Workshops und zahlreichen Konzerten neben mannigfaltigen künstlerischen Anregungen vielfältigen Austausch zu pflegen (und nicht zuletzt: gemeinsam zu feiern!).
Auf Einladung der Jerusalemer Gastgeber hatte der Chorverband Berlin fünf Chöre zum 22. Zimriya-Festival entsandt: Es waren dies der Mädchenkammerchor des Georg-Friedrich-Händel-Gymnasiums, der hardCHOR „Ella“, der Erich-Fried-Chor, „Die Primaner“ (Jugendchor des Georg-Friedrich-Händel-Gymnasiums) sowie der Chor der Humboldt-Universität zu Berlin, insgesamt 205 Sänger.
Der Verfasser dieses kurzen Reiseberichtes hat diese Reise aus der Perspektive eines Chorsängers (Tenor I im Chor der Humboldt-Universität) miterlebt und ist immer noch beeindruckt von der landschaftlichen Schönheit des Heiligen Landes und seiner tiefen spirituellen Ausstrahlung, von der zuvorkommenden Gastfreundschaft seiner Bewohner, erfüllt von großer Dankbarkeit für die vielen Helfer vor Ort, die in professioneller Weise das Gelingen des Festivals regulierten, für die in den Reihen der teilnehmenden Chöre wirkenden fleißigen Organisatoren (allein das Management der Flüge kostete Schweiß und Nerven!), aber auch für die Förderer und Unterstützer, zuallererst die Stiftung Deutsche Klassenlotterie und das Goethe-Institut, ohne deren großzügige Förderung diese Reise für die Berliner Chöre undenkbar gewesen wäre.
Aber auch Trauer und dankbares Gedenken erfüllten die Festival-Sänger: Die 22. Zimriya war die erste ohne Henry Klausener (1918-2009), den Initiator und langjährigen künstlerischen Leiter des Festivals! Es fehlte auch Willi Gohl (1926-2010), der jahrelang dem Offenen Singen seinen Stempel aufgedrückt hatte – diese Tradition wird nun von Michael Gohl im Sinne seines Vaters fortgeführt.
Der Campus der Hebrew University auf dem Skopus-Berg war der Dreh- und Angelpunkt des Festivals, die „Location“ für Schlafen und Essen, für die Workshop-Proben und die abendlichen Begegnungskonzerte in der Atzmaut Hall, dem Audimax der Universität. Von den Aussichtsterrassen öffnete sich nach Süden und Westen ein herrlicher Panoramablick über den Ölberg, die Dächer und Kuppeln der Altstadt, im Hintergrund die modernen Hochhäuser der Jerusalemer Neustadt und im Osten das Westjordanland ...
In den sieben Workshops erwartete die Teilnehmer ein breitgefächertes Angebot von Folklore bis Chorsinfonik. Die Berliner Chöre waren auf folgende Ateliers verteilt: „Songs of all Nations“ unter Leitung von Michael Gohl (Schweiz), „Chormusik der Romantik“ unter Leitung von Timothy Brown (Großbritannien), „Gospel & Spiritual“ unter Leitung von Anton Armstrong (USA), „Jüdische und israelische Chormusik“ unter Leitung von Aharon Harlap (Israel) sowie „Rhythms from the Balkans to Jazz” unter Leitung von Theodora Pavlovitch (Bulgarien). Michael Gohl leitete außerdem den „World Youth Choir“, der beim allabendlichen Offenen Singen als Ansingechor fungierte. Zwei weitere Workshops unter Leitung von Volker Hempfling (Deutschland) und Stenley Sperber (Israel) erarbeiteten Auszüge aus chorsinfonischen Werken von Mozart und Beethoven. Aus der Arbeit in den Workshops ergaben sich vielfältige künstlerische Begegnungen und Anregungen, nicht zuletzt durch das „Was“ und „Wie“ der in den Workshops gesungenen Lieder, von denen manche sicherlich in das Stammrepertoire der teilnehmenden Chöre aufgenommen werden.
Natürlich waren die Konzerte ein künstlerischer Höhepunkt des Festivals: In zwei Abschlusskonzerten (am Montagabend in der Atzmaut Hall der Universität, am Dienstagabend – die chorsinfonischen Werke erklangen nun endlich auch mit Orchester, es spielte die Israeli Sinfonietta Beer Sheva – in der Convention Hall, dem repräsentativen Konzertsaal von Jerusalem) wurden die Arbeitsergebnisse der Workshops präsentiert. An den Abenden zuvor gab es jeweils ein „Choir to Choir Concert“, die der Begegnung dienen sollten, aber auch eine gewisse „Leistungsschau“ darstellten. (Die fünf Berliner Chöre vereinten sich am Abend des Anreisetages zu einem „Shalom-Konzert“, dessen schönes Ergebnis alle vorherigen Schwierigkeiten bei der Probenlogistik vergessen machte!) Da am Schabbat selbstverständlich nicht geprobt wurde, schickte man die ausländischen Chöre an diesem Tag ins „Umland“ auf Tagesausflug mit abendlichem Konzert. Die Gäste aus Berlin verschlug es nach Tel Aviv und Haifa. Der Mädchen-Kammerchor und der Universitätschor bestritten einen gemeinsamen Konzertabend im Kibbuz Magen (drei Kilometer vom Gazastreifen entfernt …), wobei für die letzten Titel des Programmes auch der Gemischte Chor mehrerer Kibbuzim der Region Eshkol unter Leitung von David Morse auf die Bühne gebeten wurde.
Aber künstlerische Anregungen hin und persönliche Begegnungen her: Natürlich musste auch Zeit sein für die Stadt Jerusalem selbst mit ihren reichen Sehenswürdigkeiten und einer 3000-jährigen Geschichte! Viele Chorsänger nutzten neben den offiziellen Angeboten manche freie Minute, um die verwinkelten Gassen der Altstadt und die beeindruckenden Museen der Neustadt zu erkunden. Der Besuch der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem war von allen Berliner Chorsängern als obligatorischer Teil des Besuchsprogramms gewünscht worden. Daneben sahen wir Tel Aviv (mit einem Alter von 100 Jahren gleichsam der „Junior“ unter den Städten Israels) und die mit Tel Aviv zur Doppelstadt zusammengeschlossene alte Hafenstadt Jaffa, auch durfte ein Ausflug an das Tote Meer mit einer Führung durch die Festung Masada, dem obligatorischen „Liegebad“ in den salzigen Fluten am tiefsten Punkt unserer Erde und einer Bergwanderung durch die schon in der Bibel als lieblich beschriebene Oase Ein Gedi nicht fehlen!
Dietmar Hiller
Zimriya 2010 - Grußwort des Regierenden Bürgermeisters von Berlin
Klaus Wowereit hatte als Regierender Bürgermeister von Berlin die Schirmherrschaft übernommen. Sein Grußwort an die teilnehmenden Chöre des Zimriya-Chorfestivals anlässlich der Voraufführung des Friedenskonzertes am 4.7.2010 im Kammermusiksaal der Philharmonie Berlin finden Sie hier.
Danke
Wir danken dem Förderverein "Chormusik für Berlin", der als Träger des Projektes Großes geleistet hat.
Wir danken dem Regierenden Bürgermeister von Berlin, Herrn Klaus Wowereit, für die Übernahme der Schirmherrschaft.
Außerdem danken wir der Botschaft des Staates Israel in Deutschland für die Unterstützung bei der Planung und Durchführung der Reise.
Weitere Informationen, Videos und Bilder
Workshopvideos und Bilder, sowie alle Informationen über die Veranstaltung
Bericht der Deutschen Welle
http://www.welt.de/videos/deutsche-welle/article9191747/Berliner-Choere-beim-Zimriya-Festival.html
Videos von Teilnehmern
http://www.youtube.com/watch?v=07kXaHCA_Oc&feature=related
http://www.youtube.com/watch?v=zy-X0yOv-30&feature=related
http://www.youtube.com/watch?v=dgaptXwbq2Q&feature=related
http://www.youtube.com/watch?v=V7SUDoSL2_I&feature=related









