Tage des Friedens 2018

Die "Tage des Friedens" sind ein Höhepunkt eines vierjährigen Projektes zur Erinnerung an den Ersten Weltkrieg.

Der Chorverband Berlin vereinigt in der historischen Kapitulationswoche vom 11. - 18. November über 500 Musiker*innen in der deutschen Hauptstadt in einem großen internationalen Chortreffen, bei dem Vokalensembles aus Ungarn, Belgien, Deutschland, Polen, Frankreich, Rumänien und Bosnien und Herzegowina zu einem großen Chor verschmelzen.

In einer Zeit, in der Hass, Panik-Mache und Feindlichkeit in Internet, Presse und politischer Gesinnung präsenter sind als alles andere, sind wir und unser internationales Netzwerk der Ansicht, dass wir ein Zeichen des Friedens und der Völkerverständigung für ein starkes pro Europa setzen wollen.

Wir rufen auf zu Partizipation, Einmischung und Unterstützung unseres Vorhabens.

Alle Bilder ©VoCE2014-2018

Auf dem Programm steht das Te Deum von Walter Braunfels. Das Stück steht in direktem Zusammenhang mit den Eindrücken Braunfels' als Soldat im Ersten Weltkrieg und ist unmittelbare historische Quelle.

Im zweiten Teil des Konzertes wird ein eigens für den Abend und die europäischen Chöre komponiertes Werk des Franzosen Thierry Machuel (*1962) uraufgeführt. Das Mémorial ist in acht Sprachen geschrieben, die Sänger*innen durchschreiten den gesamten Konzertraum in einer Choreographie, umhüllen das Publikum mit Klang und beziehen es so direkt in die Friedensfeier mit ein.

17. November 2018
19:00 Uhr

Gethsemanekirche
Stargarder Str. 77
10437 Berlin

Te Deum op. 32
Walter Braunfels (1882-1954)
Projektchor "Tage des Friedens"
Musa Horti (Leuven, Belgien)
Young Voices MDO
Concentus Neukölln
Berliner Oratorien-Chor
Berliner Symphoniker
Leitung: Thomas Hennig

Yvonne Friedli - Sopran

Kerem Kurk - Tenor



Mémorial // Uraufführung
Thierry Machuel (*1962)
Es singen die europäischen Vertreterchöre der "Tage des Friedens"
Leitung: Cyrille Colombier

Tickets erhalten Sie über RESERVIX und an allen bekannten Vorverkaufsstellen.

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Der Chorverband Berlin hat zusätzlich zur Grundfinanzierung über Fördergelder ein Crowdfunding gestartet:

www.startnext.com/tage-des-friedens

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Der französische Verein "VoCe2014-2018 - Voix et chemins d'Europe" hat seit 2014 Chöre aus ganz Europa miteinander vernetzt und in einen Austausch gebracht, der ansonsten womöglich nie zustande gekommen wäre.
"VoCe" war von Beginn an als Langzeitprojekt konzipiert, das zwischen 2014 und 2018 im Rahmen der Erinnerung an den Ersten Weltkrieg für einen europäischen Austausch plädiert und sich mit und für einen starken Gemeinschaftssinn eingesetzt hat.


Die europäischen Vertreterchöre sind:

Corona (Bosnien und Herzegowina)
neuer chor berlin (Deutschland)
Ensemble 20.21, Griffon, Vocalam (Frankreich)
Cantilena, Ecumenica (Polen)
Visszhang kórus (Rumänien)
Ageless Music Lovers (Ungarn)

Walter Braunfels: Te Deum op. 32


Braunfels' Te Deum entstand 1920/21 und verarbeitet deutlich hörbar die Schrecken des Ersten Weltkrieges, die der Komponist unmittelbar an der Front hatte erfahren müssen. In Frankfurt am Main geboren, wuchs Walter Braunfels in einer jüdischen Familie auf, die zum Protestantismus übergetreten war, und konvertierte unter dem Eindruck des Krieges zum Katholizismus.
Als vieleversprechendes Talent erhielt er Unterricht bei namhaften Lehrern. 1925 wurde er zusammen mit Herrmann Abendroth zum Direktor der Musikhochschule Köln berufen. Abberufen sehr bald nach der Machtübernahme 1933, wurde er 1938 aus der Reichsmusikkammer ausgeschlossen.
Nach 1945 mit dem Wiederaufbau der Schule beauftragt, wurde er 1947 wieder deren Direktor; seine zweite Amtszeit wurde ihm jedoch erschwert durch alte Seilschaften aus der Nazizeit. Er verstarb 1954 in Köln, ohne dass er an seine Erfolge der Zeit vor dem Krieg hätte anknüpfen können. Erst nach 1990 fand sein umfangreiches Werk die gebührende Anerkennung.

Braunfels' Te Deum ist nicht nur im Hinblick auf seine Entstehung und die Biographie des Komponisten ein besonders "geeignetes" Werk zur Erinnerung an den Ersten Weltkrieg. Die Komposition und sein Schöpfer stehen direkt im Spannungsfels zwischen den beiden großen Katastrophen des 20. Jahrhunderts, sind deren unmittelbare Zeitzeugen.
Dieses Te Deum ist nicht nur ungewöhnlich, sondern besonders geeignet, die historischen Geschehnisse im Kontext der heutigen Zeit zu reflektieren. Ohne pazifistische Haltungen direkt zu proklamieren, berührt das Werk sein Publikum in der Mahnung, den Glauben an die Vision einer friedlichen Welt nicht aufzugeben.
In unserer Zeit, die Stimmen aufkommen lässt, die zu einer Neubewertung der deutschen Geschichte motivieren, ist so ein musikalisch bedeutendes Werk als Zeitzeugnis kostbar. Gegenüber dem Aufruf zum "nationalen Stolz auf die Wehrmacht" wollen wir trauern um zwei Generationen von Soldaten der ganzen Welt, die um ihr Leben betrogen wurden.

Thierry Machuel: Mémorial (UA)

Thierry Machuel (*1962) ist ein französischer Komponist und Pianist. Seinen verschiedensprachigen Chorkompositionen liegen häufig poetische Texte zugrunde. Machuels Werke werden in Europa, Asien und den Vereinigten Staaten regelmäßig aufgeführt.

Mémorial wurde 2018 fertiggestellt und eigens für die Chöre des VoCE-Projektes und das Gedenkkonzert am 17. November in Auftrag gegeben. Es handelt sich um ein weltliches A-cappella-Oratorium in den Sprachen der neun Chöre. Das Stück besteht aus 14 Teilen, die wiederum in vier Partien zusammengefasst sind und in der Aufführung jeweils durch einen Moment der Stille voneinander abgesetzt werden. Der Komponist hatte die Idee, die Chöre bei der Aufführung um das Publikum herum und durch es hindurch wandeln zu lassen. Kurze Texte, Haikus, setzen Akzente und halten das Stück thematisch zusammen, da sie sich allesamt mit den Schrecken und dem Leiden befassen, die der Krieg mit sich bringt. Nichtsdestotrotz ist es Hoffnung, die dem Stück zugrundeliegt und die es transportieren möchte – den Bedrohungen der heutigen Zeit muss ein offenes und lebendiges Europa entgegenstehen.

 „Flammen“ verwüsten Menschen und Land, wo immer ein Krieg wütet, auf der einen wie der anderen Seite des Schlachtfeldes. „Erinnerungen“ an Verstorbene schließen sich an, Seelen entschwinden in die Weiten des Himmels. Von Trauer handelt dieser zweite Teil, von der eigenen Unfähigkeit, je wieder glücklich sein zu können. Im Zentrum erklingt die Bearbeitung eines Orgelchorals von Johann Sebastian Bach für Chor, wir hören den Text der Totenmesse (Requiem) verbunden mit dem Psalm 130, „Aus der Tiefe rufe ich, Herr, zu dir“. Im dritten Teil, „Blicke“, erkennen wir im anderen unseren Bruder und sehnen uns nach der Geborgenheit und Sicherheit einer Gemeinschaft. „Lichter“ erzählt von den Werten des menschlichen Zusammenlebens – ausgedrückt durch das gemeinsame Singen schließt sich hier der Kreis eines friedlichen Zusammenlebens mit unseren Brüdern und Schwestern auf der ganzen Welt.

 

Weitere Informationen zum Langzeitprojekt VoCE2014-2018:

www.voce20142018.com

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