CHOR@BERLIN - das neue Vokalfest im Radialsystem
Denn Singen ist gesund und macht glücklich ... und Singen boomt! In Deutschland sind 2,4 Millionen Sängerinnen und Sänger aktiv, in Berlin gibt es rund 2.000 Chöre mit vorsichtig geschätzt 60.000 singenden und unzähligen fördernden Mitgliedern. Die Hauptstadt hat zwei große Rundfunkchöre, eine Reihe international renommierter A-cappella-Ensembles, und im Feld der Improvisation gibt es eine Vielzahl organisierter Ensembles, bei denen Stimme und Gesang eine große Rolle spielen.
Wenn es also überhaupt noch eines Beweises bedurft hätte, dass Berlin ein regelmäßig stattfindendes Vokalfestival, ein Forum für Chormusik braucht, wurde er bei der Premiere von Chor@Berlin im vergangenen Jahr erbracht: Mehr als 3.000 begeisterte Besucher und eine durchschnittliche Auslastung von über 90 Prozent machten das RADIALSYSTEM V für vier Tage zum Zentrum der lebendigen Berliner Chorszene. Die hohe künstlerische Qualität der Chöre sowie die Vitalität der überraschend jungen Szene überzeugten Zuhörer und Fachpublikum. Schon nach der Premiere stand fest: Mit Chor@Berlin wurde eine generations- und genreübergreifende Plattform etabliert, die zum Ausgangspunkt für viele weitere, Energien bündelnde Aktivitäten wird.
Nun also die Fortsetzung, bei der unter anderem Robert Göstl für Chorleiterinnen und Chorleiter, Kantoren und fortgeschrittene Chorleitungsstudenten einen Dirigierkurs mit dem Deutschen JugendKammerChor als Studiochor anbietet. Hier haben Chorleiter die Gelegenheit, drei Tage intensiv mit musikalisch versierten Sängern zu arbeiten. Das im Workshop Erarbeitete wird in einem Konzert dem Publikum präsentiert.
Anknüpfend an das Symposium „Singen in Kindergarten und Grundschule“ auf der chor.com im September 2011 in Dortmund findet im Rahmen von Chor@Berlin die 2. Workshop-Tagung zur Qualitätsmarke „Die Carusos“ statt. In diesem Seminar werden weitere „Carusos“-Fachberater ausgebildet und zertifiziert, die dann als Multiplikatoren für kindgerechtes Singen ihr Wissen an Erzieherinnen und Lehrer weitergeben. Denn wie das Sprechen ist auch das Singen eine Grundfähigkeit aller Kinder, die in frühem Alter gefördert werden muss. Die positive Wirkung des Singens ist vielfältig erforscht und belegt. Alle Musikpädagogen und Fachleute sind sich einig, dass die Begeisterung für Musik bei Kindern am besten in Kindergarten und Grundschule geweckt werden kann, da man dort alle Kinder erreicht und diese sich in einer dem Singen aufgeschlossenen Entwicklungsphase befinden.
Am Samstag, dem dritten Tag von Chor@Berlin, treffen sich die Akteure der Berliner Chorszene zu einem Runden Tisch, der sich mit der Lage der Chormusik in der Hauptstadt und neuen Vokal-Formaten im Radialsystem auseinandersetzen wird. Dabei soll es darum gehen, bekanntes Terrain zu verlassen, neue Impulse zu geben, alte Ordnungen aufzubrechen und gemeinsam neue Kommunikationsformen für die Chorszene zu finden. Die beiden Geschäftsführer Folkert Uhde (RADIALSYSTEM V) und Moritz Puschke (Deutscher Chorverband) moderieren den Runden Tisch.
Fast schon Kultcharakter hat der beim ersten Chor@Berlin-Festival ins Leben gerufene und seitdem regelmäßig an einem Sonntag im Monat wiederholte „Ich-kann-nicht-singen“-Chor von Michael Betzner-Brandt – für alle, die schon immer mal singen wollten und bisher nicht zu singen wagten. Der „Ich-kann-nicht-singen“-Chor darf selbstverständlich auch bei der Neuauflage des Vokalfestes nicht fehlen. Darüber hinaus aber bietet Michael Betzner-Brandt, der seit Jahren überaus erfolgreiche Konzepte zum Singen ohne Noten entwickelt, im Rahmen von Chor@Berlin ein Seminar an, in dem er die Techniken des Singens ohne Noten mit unerfahrenen Sängern an Chorleiter und Musikpädagogen weitergibt.
Vier Tage Chor@Berlin heißt aber vor allem auch vier Tage mit großartigen Chorkonzerten. Zum Eröffnungskonzert ist der weltberühmte Estnische Philharmonische Kammerchor unter der Leitung von Daniel Reuss zu Gast. Am Freitag stellen das Alsfelder Vokalensemble und das Elbipolis Barockorchester Hamburg unter der Leitung von Wolfgang Helbich sowie den Solisten Midori Seiler (Violine), Georg Kallweit (Violine) und Christian Rieger (Cembalo, Orgel, Klavier) in einer Bach-Nacht apokryphe und echte Werke von Johann Sebastian Bach einander gegenüber.
Nach dem Abschlusskonzert des Chor@Berlin-Dirigierkurses am Samstagnachmittag gehört der Abend bis in die späte Nacht den Berliner Chören. Exemplarisch wurden acht Kinder- und Jugend-, Kammer-, Oratorien-, Jazz- und Popchöre ausgewählt, die in der Nacht der Chöre zeigen, wie fantastisch die Vokalensembles an der Spree derzeit singen und klingen. Es wird empfohlen, den Vorverkauf zu nutzen: Im vergangenen Jahr war das RADIALSYSTEM V zur Nacht der Chöre restlos ausverkauft.
Den Abschluss des Konzertreigens schließlich bilden am Sonntag das Vocalconsort Berlin mit Bach-Motetten sowie der Rundfunkchor Berlin unter Leitung von Simon Halsey mit dem „Human Requiem“ – eine von Jochen Sandig und Sasha Waltz choreografierte „Verkörperlichung“ des Deutschen Requiems von Johannes Brahms, in der Text, Klang, Körper und Raum miteinander in Beziehung gesetzt werden.
Programm Chor@Berlin 16. ‑ 19. Februar 2011
Donnerstag 16.2.
10-11.30 Uhr Intensivkurs Chordirigieren mit dem Deutschen JugendKammerChor
(Robert Göstl): Einführung und Klavierprobe
12-14 Uhr Intensivkurs Chordirigieren mit dem Deutschen JugendKammerChor
(Robert Göstl): Probe mit dem Chor
15.30-18.30 Uhr Intensivkurs Chordirigieren mit dem Deutschen JugendKammerChor
(Robert Göstl): Probe mit dem Chor
20 Uhr Eröffnungskonzert: Estnischer Philharmonischer Kammerchor
(Daniel Reuss)
Freitag, 17.2.
10-13 Uhr Intensivkurs Chordirigieren mit dem Deutschen JugendKammerChor
(Robert Göstl): Probe mit dem Chor
15-18 Uhr Intensivkurs Chordirigieren mit dem Deutschen JugendKammerChor
(Robert Göstl): Probe mit Erik Sohn
19-24 Uhr Bach-Nacht: Alsfelder Vokalensemble, Elbipolis Barockorchester
Hamburg, Gesualdo Consort Amsterdam, Midori Seiler (Violine),
Georg Kallweit (Violine), Christian Rieger (Cembalo, Klavier)
Künstlerische Leitung: Wolfgang Helbich
Samstag, 18.2.
10-13 Uhr Intensivkurs Chordirigieren mit dem Deutschen JugendKammerChor
(Robert Göstl): Generalprobe
10-13 Uhr Workshop: Singen ohne Noten und Circle Songs
(Michael Betzner-Brandt)
11 Uhr Runder Tisch Chorszene zum Thema: Neue Vokal-Formate im
Radialsystem
15-18 Uhr Workshop: Singen ohne Noten und Circle Songs
(Michael Betzner-Brandt)
16 Uhr Abschlusskonzert der Absolventen des Intensivkurses Chordirigieren mit
dem Deutschen JugendKammerChor
19-24 Uhr Nacht der Chöre:
- Berliner Mädchenchor (Sabine Wüsthoff)
- Berliner Singakademie (Achim Zimmermann)
- Berliner Vokalkreis (Johannes Raudszus)
- Deutscher JugendKammerChor (Robert Göstl)
- Happy Disharmonists (Carsten Gerlitz)
- Jazzvocals (Susanne Faatz)
- Luisen Vokalensemble (Dennis Hansel)
- Rundfunk-Kinderchor (Carsten Schulze)
Sonntag, 19.2.
11-14 Uhr "Ich-kann-nicht-singen"-Chor (Michael Betzner-Brandt)
16 Uhr Vocalconsort Berlin: Bach-Motetten
20 Uhr Human Requiem: Rundfunkchor Berlin, Sasha Waltz (Simon Halsey)
